Joseph Enseling - Skulpturen
Joseph Enseling - Skulpturen

Kriegerdenkmäler

"Trauer", Ehrenfriedhof der Stadt Essen auf dem Südwest-Friedhof, 1929

 

Einige der bedeutendsten Werke Joseph Enselings sind als Denkmäler mit Plätzen und Friedhöfen verbunden. Zu dieser Gruppe monumentaler Skulpturen gehören die Ehrenmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, die zwischen 1920 und 1937 einen breiten Raum im Werk Enselings einnahmen. Allein in Essen hat er mehrere Kriegerehrungen ausgeführt, daneben aber auch in Bochum, Bünde, Peine, Unna, Vreden und in seiner Geburtsstadt Coesfeld.

 

Die Errichtung von Kriegerdenkmälern gehörte zu den wichtigsten künstlerischen Aufgaben der Nachkriegszeit. Zahllose Denkmäler entstanden im Auftrag von Städten und Dörfern, von kirchlichen Gemeinden und Vereinen, aber auch von Berufsvereinigungen und Industriekonzernen. Sie alle wollten ihren – meist in fremder Erde, oft in Massengräbern – bestatteten Toten auf Plätzen und Friedhöfen oder an den Stätten ihrer Arbeit ein würdevolles Andenken bekunden.

In den figurativen Gestaltungen der Kriegerdenkmäler des Ersten Weltkrieges dominierte die Darstellung des Kriegers, dessen mutiger Kampf, Verwundung und Tod den nachfolgenden Generationen als Vorbild vor Augen gestellt wurde. Hierzu bot sich entweder die idealisierende Form des unbekleideten Jünglings oder die realistische des „feldgrauen“ Frontsoldaten an, der mit Gewehr und Stahlhelm, Uniform und Stiefeln ausgestattet ist.

 

Joseph Enseling hat in seinen Kriegerdenkmälern der zwanziger Jahre überwiegend den jugendlichen, männlichen Akt gewählt, dessen Verwundung und Hinsinken in den Tod, Aufbegehren und mystische Enthobenheit durch ungewöhnliche Körperhaltungen zum Ausdruck gebracht wurde.

 

Die Reihe der Kriegerdenkmäler, die Enseling in den rund zwei Jahrzenten zwischen den beiden Weltkriegen geschaffen hat, erlaubt eine Beobachtung seiner stilistischen Entwicklung. Sie beginnt mit dem Neoklassizismus seiner Ausbildungsjahre, entwickelt sich in den zwanziger Jahren zu stärkerer Expressivität und tritt in den dreißiger Jahren in eine Phase des Naturalismus ein, die bis hin zum Realismus führt. Diese Entwicklung lässt sich auch in den Aktdarstellungen verfolgen. Den Figuren in traditionellen Posen der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg folgen überschlanke, verletzliche und schwebende Figuren in den zwanziger Jahren und schließlich athletisch durchgebildete härtere Körper in den dreißiger Jahren. Für diese Verhärtung seines Stiles ist vielleicht eine Begegnung mit der originalen antiken Bildhauerkunst nicht ohne Einfluss gewesen. 1931 hat Enseling den im Berliner Pergamon-Museum rekonstruierten Pergamon-Altar mit seinem Fries dramatischer Kampfszenen gesehen, in denen Götter und Titanen gegeneinander kämpfen. Dieses Erlebnis beeindruckte ihn stark.

 

Die Kriegerdenkmäler des Ersten Weltkrieges sind im Allgemeinen an ihren Standorten erhalten geblieben, soweit sie nicht durch Kriegseinwirkungen beschädigt wurden. Die im Auftrag von Industriewerken entstandenen Werke waren häufig an das Schicksal der Gebäude gebunden, in oder bei denen sie ihren Standort hatten, und wurden teilweise zerstört, abgerissen, eingelagert oder umgezogen.

 

links: Kriegerdenkmal des Krupp'schen Casino-Vereins, 1922; rechts: Kriegerdenkmal der Stadt Peine, 1928
links: Relief vom Kriegerdenkmal der Stadt Unna, 1935; rechts: Trauernder Bergmann vom Kriegerdenkmal der Zeche Constantin der Große, ehemals Bochum, 1937

(Quelle: Joseph Enseling 1886-1957 Skulpturen, aus dem Artikel "Zusammenbruch und Wiederaufstieg - Kriegerdenkmäler von Joseph Enseling" von Inge Zacher)

Okt 2016 - Limitierte Edition bei ars mundi

Dez 2015 - Joseph Enseling im Standardwerk "Essener Köpfe"

Enseling Kunst ziert die Moltkebrücke in Essen